Die rote Königin (Red Queen #1)


Die rote Königin (Red Queen #1) von Victoria Aveyard

Zusammenfassung:

Rot oder Silber - Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die - und nur die - besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben - und ihr Herz...

Rezension:

Ich hasse dieses Buch nicht. Ich finde es nur sehr schlecht. Ein wichtiger Unterschied, weil es schön darstellt, was einer meiner grössten Kritikpunkte ist. 75% des Buches lassen mich nämlich absolut kalt, stechen nicht einmal genug hervor um bleibende Eindrücke zu hinterlassen (ehrlich, ich habe sogar irgendwann angefangen Zettelchen zwischen die Seiten zu stecken, damit ich mich später - also hierfür - wieder an Zeug erinnern kann). Irgendwie interessiert mich der Plot der Geschichte einfach gar nicht - nur die letzten 50 Seiten sind überhaupt nur minimal spannend, die Charaktere sind leblos, langweilige Hüllen und Mares innerliche Monologe sind unheimlich repetitiv. Das nutzt sich alles sehr schnell ab, Szenen verschwimmen, schmelzen zusammen und nichts bleibt nachhaltig hängen. Man könnte sagen, dass das Buch schlichtweg keine eigene Persönlichkeit hat. Die restlichen 25% waren leider kopfschmerzauslösend schlecht.

Normalerweise schaffen es YA-Fantasy-Romane wenigstens irgendetwas minimal hinzubekommen (Manche schaffen sogar mehr als das. Logischerweise.). Soll heissen, dass in einem Buch die Romanze irgendwie niedlich ist und ich verstehen kann, weshalb man sie mag (Nein, hier ist nicht einmal das im Mindesten interessant.). Manchmal ist es ein Konzept, das eigentlich ganz interessant ist. Und manchmal fühlt man unter der mittelmässigen Schicht eines Buches auch ein gewisses, unterhaltendes Potential lauern. Wenn so etwas gegeben ist, dann kann ich normalerweise noch irgendwie nachvollziehen, dass Leute ein Buch, das aus meiner Sicht ansonsten eigentlich recht (bis ziemlich) schlecht ist, hypen. Bei dem hier bin ich im Nachhinein vollkommen sprachlos, wenn ich siehe, wie gross die Begeisterung um dieses Buch ist. Aus meiner Sicht hat es absolut nichts hinbekommen.
Die hervorstechendsten Kritikpunkte (der 25-Kopfschmerzen-Prozent) kurz zusammengefasst:
  • Mare ist eine der ätzendsten Protagonisten, denen ich bisher begegnet bin.
  • Die restlichen Charaktere sind kaum mehr als Hüllen von Klischee-Prototypen
  • Zwischenmenschlich schafft das Buch nicht einmal ein Klischee zu erfüllen und etwas minderwertig Solides abzuliefern (Wie schwer kann das eigentlich sein?)
  • Doppelmoral
  • Die Revolution ist unfassbar dumm (an einer Stelle hätte ich beinahe meinen Apfel durchs Zimmer geworfen, weil ich so genervt davon war)
  • Inkonsistenz
  • Dummheit
Bevor ich jetzt aber loslege und einen langen Text darüber schreibe, weshalb Mare mich so aufregt und die Revolution so verblödend bescheuert ist, möchte ich noch die Stärken von "die rote Königin" hervorheben. Hier ist also meine Lieblingsstelle aus dem Buch:
"Wollen Sie jetzt jeden Tag meinen Babysitter spielen oder nur so lange, bis ich mich hier auskenne?" 
Er geht neben mir her und lenkt mich sanft in die richtige Richtung. "Was glauben Sie?" 
"Auf eine lange und glückliche Freundschaft, Wachtmeister Samos." 
"Gleichfalls, Mylady." 
"Nennen Sie mich nicht so." 
"Ganz wie sie wünschen, Mylady."
Wenn du mich fragst ist das keine besonders tolle Lieblingsstelle, aber es ist nicht so, als hätte ich besonders viel zur Auswahl gehabt. Um genau zu sein, war das die einzige Stelle, die mich amüsiert hat. Yupp.

Was Mare angeht... puh. Wo soll man da anfangen? Also, um das kurz zusammenzufassen: Die Geschichte wird aus Mares Sicht erzählt und Mare, unsere mutige, tapfere, gerechte Protagonistin teilt die Welt in Schwarz und Weiss. Oder sollte ich sagen in Rot und Silber? Für sie sind alle Silbernen böse. Naja, alle, bis auf Liebesinteresse Nr. 1 und Liebesinteresse Nr. 2 (beide haben keinen wirklichen Charakter, auch, wenn man natürlich rein des Klischees wegen sofort merkt, dass Cal Liebesinteresse Nr. 1 ist und am Ende versucht wird, Liebesinteresse Nr. 2 einen krass frischen Anstrich zu verpassen - Spoiler: es wirkt falsch und überdreht und einfach nur ziemlich merkwürdig). Die beiden versuchen übrigens auch, Mare beizubringen, dass auch die Welt der Silbernen vielschichtig ist (Oder... naja, sie versuchen es zumindest beinahe. Cal macht es sogar beinahe richtig. Mehr ist wohl zu viel verlangt.), aber gelingen tut das nie. Selbst, wenn Mare beinahe vor Augen geführt wird, dass Silberne ja auch mehr als nur böse/überheblich/kalt sein können (Aveyard gibt sich echt Mühe, Nicht-Liebesinteresse-Silberne als böse hinzustellen), ignoriert sie das einfach. 
An und für sich wäre das ja nicht einmal so schlimm, ich meine, damit könnte man spielen, man könnte Mare langsam lernen lassen, dass Menschen - egal welcher Blutfarbe - vielschichtig sind oder versteckt eine differenzierte Darstellung der Situation liefern oder sonst irgendetwas cooles. Aber das passiert leider nicht. Mare hinterfragt nicht einmal ihre Meinungen (geschweige denn ihre Doppelmoral) und jegliche Vielschichtigkeit welche am Anfang des Buches vielleicht von anderen Charakteren manchmal noch angesprochen wird verliert sich immer mehr, je weiter die Geschichte voran schreitet. 
Mare ist ausserdem ziemlich dumm (besonders um Seite 300 herum beginnt man das wirklich zu spüren), was mich noch zusätzlich genervt hat. Natürlich ist auch ihre Doppelmoral einfach zum Kotzen. 

Zu den restlichen Charakteren lässt sich echt nicht viel sagen. Sie sind tatsächlich kaum leere Hüllen. Irgendwie wird erwartet, dass ich Cal für lieb und toll oder sowas halten soll, obwohl ich absolut nichts über ihn weiss (Er gibt sich auch ernsthaft Mühe ein "Nichts" zu bleiben. Er gibt sich unheimlich viel Mühe irrelevant zu sein. Als Beispiel die Szene bei Mares Eltern zu Hause. Ich meine, da offenbart Mare einfach genau das was sie hätte geheim halten sollen und er steht nur doof rum und macht? Keine Ahnung, was er genau macht, aber auf mich wirkt es stark wie dümmliches in die Gegend starren.) und Maven soll wohl geheimnisvoll wirken, aber er ist halt eigentlich einfach nichts. Keine Ahnung, weshalb ausgerechnet die beiden faszinierend sein sollen, geschweige denn, wie man sich Hals über Kopf in sie verlieben kann. Und die beiden zählen noch zu den ausgearbeiteten Charakteren. Der Rest ist so ziemlich ausschliesslich einseitig (die Königin ist nur böse, Rebellen sind vom Charakter her auch einfach nur Rebellen, etc. pp.), mit merkwürdigen Entwicklungen (Kilorn tut ja fast so, als wäre er schon seit Ewigkeiten Mitglied der Rebellen) und unbekannten Motiven. Also alles sehr vage, irrelevant und uninteressant. 

Was da zwischenmenschlich abgeht ist mir auch irgendwie ein Rätsel. Ich zeige das anhand eines einfachen Beispiels auf: Die Beziehung zwischen Mare und ihrer Familie. Irgendwie wird anfangs etabliert, dass Mare ihre Familie liebt und um ihre Brüder bangt, welche in den Krieg eingezogen wurden, sie hat sogar einen Lieblingsbruder. Sobald sie aber von ihrer Familie getrennt wird, schafft sie es, diese ganz zu vergessen. Obwohl sie sich auf einen Deal eingelassen hat, der nicht nur ihre eigene Sicherheit sondern besonders auch diejenige ihrer Familie sichern soll, wenn sie sich benimmt. Es ist also nicht so, dass sie sich so sehr auf ihre eigene Sicherheit und ihre eigenen Probleme beschränken könnte, dass es verständlich ist, wie sie einfach mal 50-100 Seiten lang vergisst, dass ihre Familie ja auch noch lebt. 
Falls das ein wenig weit hergeholt wirkt, möchte ich auch noch auf die super gefühlvolle Szene verweisen, in der Mare die Flashbacks hat, welche wohl irgendwie ein wenig Kontext zu ihrer etablierten "ich liebe meine Familie und vermisse meine Brüder"-Einstellung geben soll. Das Problem ist, dass in den Flashbacks nichts passiert, ausser, dass sie ihre Brüder ein letztes Mal umarmt. Also wieder ist das nur "glaub mir, meine Brüder sind toll und ich liebe sie", anstatt dass man als Leser tatsächlich nachvollziehen kann, was da läuft und weshalb man dieses Leute vermissen sollte. (Das Buch ist allgemein ein starker Vertreter der "glaub mir, es ist so, weil ich das so sage"-Sorte. Eine Tatsache, die mir absolut nicht gefällt. Ich will sehen und empfinden was es zu sehen und empfinden gibt, ich will nicht gesagt bekommen, was ich sehen und empfinden soll.)
Sollte das immer noch nicht genug sein, so verweise ich gerne auf Shade - Mares Lieblingsbruder - und seinen tragischen Tod. Ein Tod, der Mare ja so ganz und gar nicht kalt gelassen hat. Ich meine, ja, natürlich hat sie im ersten Moment ihren kleinen Zusammenbruch, aber danach ist das einfach vergessen. Nur ab und zu packt sie die "ich bin traurig, weil mein Lieblingsbruder gestorben ist"-Karte aus, aber auch das, ohne tatsächlich mehr Anzeichen der Trauer zu zeigen, als dass sie halt explizit sagt, dass sie traurig ist. 

Die Doppelmoral hänge ich ganz Mare an den Hals. Eine Doppelmoral, welche mich wirklich aufgeregt hat. Es gibt diese eine Szene, in der sie auf einer Feier für junge Soldaten ist, welche in den Krieg ziehen. Zuerst verkündet sie dann natürlich lauthals (also, gegenüber Cal und in Gedanken ausführlich gegenüber dem Leser), dass das doch sowieso nur eine Farce ist, weil die Soldaten der Silbernen niemals an der Front kämpfen und es niemals so schlecht haben wie die Roten. Dass in den Krieg ziehen auch tatsächlich in den Krieg ziehen bedeutet und das für jeden gefährlich ist ist offensichtlich total irrelevant. Dann erklärt ihr Cal, dass diese Soldaten die erste Truppe Silberner ist, die tatsächlich direkt an der Front kämpfen wird. Man sollte meinen, dass das ein vernichtendes Argument ist, nicht? Aber nein, irgendwie schafft es Mare trotzdem noch, sich verächtlich darüber zu äussern. Ich weiss selber nicht mehr genau, wie sie es geschafft hat, diese Tatsache zu verdrehen und die Silbernen trotzdem noch als die Bösen darzustellen. Aber dann verkündet ihr Cal, dass er mit den Soldaten direkt an die Front zieht. Oh nein, Liebesinteresse Nr. 1, wie kannst du nur? Und so schnell geht es. Die restlichen Silbernen, welche an die Front ziehen könnten ihr nicht egaler sein, aber dass er geht, das ist doch einfach nur grausam. An der Front kämpfen? Nein, mein tapferes, tapferes Liebesinteresse Nr. 1, pfui, das machst du nicht, aus.
Jetzt mal ganz zu schweigen davon, wie sie zu der Beziehung zwischen Evangelina und Cal steht, währen sie selber hinter Mavens Rücken mit Cal tändelt. Sie verhält sich unfair gegenüber Cal und Maven (Mares eigentlicher Verlobter), während Evangelina sich loyal an ihren Verlobten (also Cal) hält und bekommt dafür lauter "ich wünschte, ich könnte sie umbringen"-Gedanken seitens Mare ab. Ich kapiere einfach nicht, weshalb es nötig war ständig darauf rumzuhacken, dass Evangelina den Tod verdient hat, nur weil sie Cals Verlobte ist.

Jeder der sich auch nur minimal mit Revolutionen beschäftigt hat, wird sofort erkennen, dass die Roten mit ihrem Vorgehen zum Scheitern verurteilt sind. Ihr Problem ist, dass sie die vorherige Machtstruktur total ignorieren und nicht einmal versuchen, die Silbernen nachhaltig auf ihre Seite zu ziehen. Weil Machtvakuum natürlich nichts ist, was bei uns YA-Fantasy-Novels auftritt - am I right? Und Cal, der es tatsächlich effektiv schafft kleine Änderungen zu bewirken, welche auch anerkannt werden (wie zum Beispiel die Truppe Silberner Soldaten, welche direkt an der Front kämpfen werden) ist natürlich der Böse, weil er einfach zu schwach ist, um richtig durchzugreifen. Urgh. Ich hätte mir am liebsten jedes Mal, wenn mir vor Augen geführt wurde, wie dumm die Revolution tatsächlich ist, die Augen und Ohren zugehalten und laut "lalalala" gesungen, bis alles vorbei ist.

Inkonsitenz ist primär ein Problem, welches bezüglich der Fähigkeiten auftritt. Das liegt zum einen daran, dass die Fähigkeiten nicht immer feste Grenzen haben und zum anderen aus einem Grund, den ich nicht kenne. Ich vermute, es wurde einfach allgemein ein wenig übersehen. Aber jedes Mal, wenn sich wieder etwas geändert hat, das vorher anders etabliert war, oder etwas einfach vergessen wird, das vorher etabliert war, habe ich mich ziemlich darüber geärgert. Wenn man fantastische Elemente in seine Geschichte einbaut, dann soll man sich doch auch gefälligst feste Regeln für sie ausdenken und sich an diese halten, sonst bricht die ganze logische Struktur zusammen! Man.

Obwohl das jetzt natürlich einige Kritikpunkte waren, welche mich mehr oder weniger stark irritiert und genervt haben (besonders Mare hat es schlimm auf meine Nerven abgesehen), möchte ich noch einmal betonen, dass diese irritierenden Punkte schlussendlich trotzdem nur den kleineren Teil des Buches ausgemacht haben. Es sind immer wieder lange Strecken vergangen, in welchen das Buch in seinen persönlichkeitslosen Zustand versinken konnte. Und deshalb hasse ich das Buch nicht. Ich halte es nur für sehr schlecht.

Bewertung:

Als ich dieses Buch angefangen habe, dachte ich, es sei zwar eher ätzend, aber immer noch gerade so ok, ich dachte, ich würde ihm 3/5 Sterne geben. Ab Seite 200 (nach einer langen, persönlichkeitslosen Strecke) waren es noch 2/5 Sternen. Seite 300 (viele ätzende Szenen welche zu den 25-Kopfschmerz-Prozent gehören) Steht vor der Türe und ich beschliesse, dass es nicht mehr als 1/5 Sternen verdient hat. Das ich den Rest noch gelesen habe ist ein Wunder.

Details:


Name: Die rote Königin
Original: The red queen
AutorVictoria Aveyard
Verlag: Carlsen
Seitenanzahl: 512 Seiten
Wo?: Amazon

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