Die Tearling-Dummheit



Die Tearling-Dummheit

Ich habe neulich das Hörbuch zu „Queen of the Tearling“ gehört. Normalerweise schreibe ich keine ausführlichen Kommentar zu Hörbüchern, weil sie vor allem etwas sind, das ich höre, wenn ich mit den Hunden laufe/aufräume/esse/sonstigen Aktivitäten nachgehe. Es ist zwar nicht etwas, das einfach als Hintergrundgeräusch läuft, aber ich schenke ihnen auch wirklich nicht gleich viel Aufmerksamkeit wie ich sie Büchern beim lesen zuteil werden lasse. Wieso ist das hier also eine Ausnahme? Ganz einfach: Weil einige Aspekte ausgesprochen dumm waren. 

Hier ist wieder der Punkt an dem ich eine kurze Warnung aussprechen will:
Solltest du das Buch kennen, dann: nur zu, lies weiter. Wie du schon am Titel gemerkt haben wirst, werde ich eine eher negative Meinung zum Buch präsentieren, aber darauf lässt du dich auf eigene Gefahr ein.
Wenn du es aber nicht kennst, gerne noch kennen lernen willst und Spoiler nicht magst, dann lass es hierbei beruhen. Ich werde nämlich Spoiler einfügen (und sogar Referenzen zum nächsten Teil machen, wenn auch nichts explizites oder handfestes) und dabei werde ich sogar ziemlich biased sein (siehe Titel/obiger Absatz). 
Für alle, generell: Dies hier wird mal wieder ein langer Text, ohne richtige Gliederung. Wenn dir das nicht gefällt, dann tu es dir nicht an, ich rede auch eigentlich wirklich nur über die grosse Dummheit in "The Queen of the Tearling" und wie sie mich nervt.


Ich glaube, die Autorin hat sich wirklich Mühe gegeben, ernsthaft. Ich mochte das Buch zwar nicht sonderlich (es hat 1.5 Sterne auf Goodreads von mir bekommen und bei Hörbüchern bin ich ziemlich tolerant), aber ich habe es auch nicht gehasst. Die Protagonistin hat sehr starke Meinungen, die sehr ätzend wirken können, allerdings glaube ich, dass sie in der Geschichte selbst immer wieder hinterfragt wurde und daher zu einem sehr unzuverlässigen Erzähler und einem guten Storyelement wird.

Einige Beispiele für ihre Unzuverlässigkeit: Sie hasst ihre Mutter, die sie im übrigen nie gekannt hat, dafür, dass sie so fixiert war auf ihr aussehen, dass sie sich mit dem Geld, das man hätte brauchen können, um dem Volk zu helfen, viele tolle Kleider gekauft hat etc. Gleichzeitig macht sie sich selber unendlich viele Gedanken über ihr Aussehen. Ständig beklagt sie sich, innerlich, darüber, dass sie hässlich ist. Nein, sie gibt kein Geld aus, um sich besser aussehen zu lassen, und trotzdem ist sie bei weitem nicht der Eingebildetheit unschuldig, der sie ihre Mutter anklagt. Ein anderes Beispiel: Anscheinend hasst sie Drogen, trotzdem betrinkt sie sich (und findet das gut). Es sind diese Art von Widersprüche, die für mich bedeuten, dass man nicht übermässig viel auf ihre Meinung geben soll, beziehungsweise diese Meinung stets hinterfragen sollte.

In dieser Hinsicht glaube ich also sogar, dass die Geschichte nicht dumm war, sondern die Autorin sogar (und hier gehe ich von einem, was in der Textanalyse als „implied author“ bezeichnet wird, aus, also einem Autoren, wie ich ihn mir vorstelle, nicht dem tatsächlichen Autor, über ihre Motive und Absichten kann ich wirklich nichts sagen) zum mitdenken anregt. Allerdings, hat sich die Autorin  in dieser Hinsicht selber ein wenig in den Fuss geschossen. Weil ich mir nämlich Gedanken gemacht habe, ist mir nur allzu deutlich bewusst geworden, wie dumm manche Aspekte der Geschichte sind. Und damit meine ich das World-building.

Falls du die Geschichte noch nicht kennst (und keine Intention hast, sie kennenzulernen – keine Angst, du verpasst nichts): Die Geschichte spielt im „Tearling“ einem Land auf einem Kontinent, der irgendwann in der Zukunft entdeckt werden wird (Ja, es ist also sozusagen eine futuristische, dystopische Mittelalter-Fantasy-Geschichte mit Magie. Ja, es macht sehr wenig Sinn.). Die (britisch-amerikanische) Menschheit wurde von Tear zu diesem Land geführt und im ersten Band bekommt man wirklich nur sehr, sehr wenige Informationen über diese Umsiedlung (im 2. Band werden es zwar mehr, die machen die Dummheit, die ich hier ansprechen will, allerdings nur noch schlimmer.).
Was wir wissen ist allerdings:

  1. Tear wollte eine Utopie erschaffen.
  2. Es gab ein Boot mit Ärzten, Schwestern und medizinischen Geräten. Das war, wirklich alles, nur auf ein Boot konzentriert. Es war nicht ein Arzt auf einem anderen Boot. Nicht eine Krankenschwester. Anscheinend nicht einmal medizinische Bücher.
  3. Sonstige Technologie war entweder verboten oder wurde aus sonstigen Gründen außen vor gelassen.
  4. Das Boot mit absolut allem medizischen Equipment ist gesunken.
  5. Die Bevölkerung durfte kaum Bücher mitnehmen (Maximal 10 pro Person, glaube ich, und es waren wirklich nicht sehr viele Menschen, die mit durften. Ausserdem ist ein Boot mit Menschen darauf ja auch gesunken, also, joah.)
  6. Tear hat eine Monarchie eingerichtet.

Ich hoffe, meine Bedenken werden für den Aufmerksamen Leser schon augenscheinlich sein. Ich werde es trotzdem einmal ganz explizit sagen:

WTF. Welche Person, die noch alle Tassen im Schrank hat, versucht eine Utopie ohne Bildung, Ärzte (denn, frankly, dieses „Dilemma“ wäre unglaublich vermeidbar gewesen), dafür mit einer Monarchie aufzubauen?? (Das sind ganze zwei Fragezeichen. Ich meine es also sehr ernst.)

Im zweiten Band wird sogar klar, dass Tear wohl irgendwie aufgeklärt war und so, und trotzdem war er anscheinend nicht helle genug, um zu kapieren, dass Wissen absolut unabdinglich ist? Ich meine, hallo, hat der noch nie von der französischen Revolution gehört? Der Aufklärung? Immanuel Kant? Bitte, irgendjemand bestätige mir, dass es nicht zu viel verlangt gewesen wäre, zu kapieren, dass Wissen absolut unabdinglich ist und man so viele Wissen wie möglich mit sich hätte bringen müssen, besonders, wenn man eine Utopie schaffen will? Und seit wann ist eine Buchpresse so krass technologisch fortgeschritten, dass man die zurücklassen muss? Denn, nein, Buchpressen gibt es im Tearling nicht. Um genau zu sein, scheint es nicht einmal Bücher zu geben, die nicht noch prä-Tearling sind. Wie zum Teufel kommen die Menschen damit klar? Und, nein, hier spricht nicht meine „ich liebe Bücher, wie kann man nur ohne Bücher leben?“-Seite, sondern meine „um einen Staat aufzubauen braucht man doch schriftliche Dokumente, das ist doch ganz logisch“-Stimme. Kurz gesagt: Wissen und Bücher sind verdammt wichtig für eine aufgeklärte Zivilisation. Und eine aufgeklärte Zivilisation ist verdammt wichtig für eine Utopie, die aufgebaut werden will. 

Die Angelegenheit mit dem medizinischen Equipment ist für mich tatsächlich so frustrierend, dass ich da nicht mehr dazu sagen will, ausser: Es war bescheuert und vermeidbar.

Was die Monarchie angeht, nun ja, hier ist meine Konklusion der Geschehnisse direkt um die Überfahrt:
Davon ausgehend, dass die Geschichte versucht ernst zu sein und von ihrem Leser erwartet, dass er dargestellte Situationen hinterfragen soll, bleibt nur eine mögliche Erklärung: Offensichtlich war der gute Tear dumm. Nicht nur das, er hat sich selber für sehr klug und toll gehalten (was im 2. Teil bestätigt wird), während er offensichtlich ziemlich beschränkt war. Oder er war tatsächlich toll und klug, wie er es glaubt, hatte allerdings eine starke „random XD rofl“-Phase, in der ihm Vernunft, Verstand und Hirnfunktionen im allgemeinen eher überflüssig schienen und in der er absichtlich einen totalitären Staat gegründet hat. Jap. Totalitär. Im ersten Teil war mir das noch nicht so klar, aber im 2. macht Tear sehr klar, dass er Leute nach bestimmten Kriterien ausgewählt hat und Menschen, die nicht in sein Schema gepasst haben, hat er sozusagen als "dreckig" und "falsch" und "unwürdig" bezeichnet. Ergo Totalitär. 
Wenn ich also "Tearling-Dummheit" sage, dann meine ich damit auch explizit "Tear-Dummheit", laut derer eine Utopie ohne Wissen, ohne Medizin, aber mit einer Monarchie aufgebaut werden sollte.

Puh. Damit wäre also geklärt, dass die reine Grundlage der Welt ausgesprochen dumm ist. Womit zum Glück ein Grossteil der Dummheit, die ich hier ansprechen will, schon abgearbeitet ist.

Der zweite Teil besteht eigentlich nur aus der Regentschaft von Kelsea. Hier noch einmal die Kurzfassung, falls du die Geschichte noch nicht kennst: Kelseas Mutter hat sie (aus unbekannten Gründen) weg geschickt, als sie noch ein Baby war. Sie wurde also fern von ihr von zwei "fremden" Menschen aufgezogen und zwar so, dass sie bereit sein sollte, das Königreich zu regieren. Soweit eine gute Sache, eigentlich. Das Problem ist allerdings, dass Kelseas Mutter ausserdem beschlossen hat, dass ihre Tochter einige ausgesprochen wichtigen Details nicht wissen darf, also hat sie allen Leuten verboten, ihr wichtige Staatsangelegenheiten mitzuteilen.
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Ja, genau. Kelsea wird also ihr ganzes Leben lang darauf "vorbereitet" Königin zu sein, ohne tatsächlich substantielles über ihr Königreich zu wissen. Sie weiss nicht, dass es Sklaverei gibt, sie kapiert nicht einmal von alleine, dass es "eine Unterwelt" gibt. Sie hat keine Ahnung. Und niemand traut sich, seinen Schwur zu brechen und das arme Kind darüber aufzuklären, was eigentlich los ist. Uff. Wenn du wüsstest, wie frustrierend es war, das zu hören. Ich wäre zwischendurch wirklich gerne an die Decke gegangen. 

Das Beste an der Angelegenheit ist aber, dass die Leute trotzdem das Gefühl haben, dass sie eine gute Königin ist? Erst im zweiten Teil, wie sie dann ganz schön viel falsch macht (und mit ganz schön viel meine ich... alles.), fangen ihre Getreuen an, sie ein wenig zu hinterfragen. (Sich selbst würden sie dabei aber nicht die Schuld geben, offensichtlich. Ja, Kelsea baut einigen Mist, aber nein, sie baut den ganzen Mist ganz sicher nicht ohne Hilfe.)

Und damit wären wir am Ende meiner kleinen "Rant" angelangt. Ich wollte wirklich einfach nur ausführlich loswerden, wie sehr mich einige Elemente in diesem Buch/diesen Büchern nerven. Das habe ich gemacht. Danke für's Lesen und einen schönen Tag noch!

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