Die Welt von Gestern: Erinnerungen eines Europäers


Die Welt von Gestern: Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig

Zusammenfassung:

Es ist 1942: Der Österreicher Stefan Zweig sieht seine kulturelle Heimat Europa durch zwei Weltkriege zerstört. In seinen Schriften reist er hier zurück in die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Es sind Aufzeichnungen über Europa im Glanz und Niedergang und Zweigs letzte Notizen, bevor er sich im selben Jahr im Exil das Leben nimmt.

Rezension:

Stefan Zweig verstand es, Schönheit einzufangen. In diesem Fall die Schönheit Europas (bevor diese dem Krieg, bzw. den Kriegen anheim fiel). Dabei hält er selbst in der Geschichte eine überaus interessante Position inne. Obwohl er nämlich Erzähler ist und er davon erzählt, wie er die Schönheit wahr genommen hat, ist er als Charakter selbst recht unbedeutend. Man erfährt zwar davon, welche Künstler (und sonstige wichtige Leute - es sind primär Künstler) er getroffen und bewundert hat, welche Städte er besucht und geliebt hat (ich hatte noch nie Lust, Paris zu sehen, bis er davon geschwärmt hat), aber doch wird von ihm selbst, also seinem "konkreten Leben" nur wenig erzählt (abgesehen von seinen Erfolgen, dem "Theaterfluch" und sonstigen Veröffentlichungen). Das ist, in diesem Fall, erwähnenswert, weil das bewirkt, dass man sich vollkommen ihn in hineindenken/-leben kann, also die Welt durch seine Augen sieht, ohne durch äusserliche Kleinigkeiten abgehalten zu werden. Das führt, wie schon angedeutet, dazu, dass seinen Schilderungen etwas sehr verzauberndes innewohnt, dass man den Glanz dieser verlorenen Welt förmlich auf seiner Haut prickeln spürt. Und dann, sobald man den Krieg kommen sieht, immer unruhiger wird. 
Es ist besonders schrecklich, die Geschichte der Kriege ausgerechnet aus Stefan Zweigs Sicht erzählt zu bekommen. Einerseits, weil man sich eben durch seine Augen so von dem Europa vor dem Krieg betören lassen kann, andererseits aber auch, weil er selbst ein so weltoffener Mensch war. Er hatte so viele internationale Beziehungen, Freunde überall in Europa, führ ihn gab es immer nur diese "Internationalität". Da ist die Zerrüttung der Beziehung zwischen all den Ländern, die er geliebt hat, und dadurch auch all den Völkern, die er geliebt hat, und teilweise auch mit den Menschen, die er geliebt hat, irgendwie unfassbar mitanzusehen.
Je weiter die Erzählung voranschreitet, desto mehr spürt man, wie unwirklich das alles, die ganze Situation, zu sein schien. So unwirklich in seinem Schrecken. Als würde man selbst in seligen Erinnerungen schwelgen, sich danach zurücksehnen, als würde man die Risse der momentanen Welt einfach mit Erinnerung an die Schönheit von Früher überdecken. Was vermutlich genau das war, was Zweig versucht hat.

Bewertung:

Ist mal wieder eine schwere Entscheidung, aber ich glaube mit 4/5 Sternen bin ich gut beraten.


Details:

Name: Die Welt von Gestern: Erinnerung eines Europäers
Autor: Stefan Zweig
Verlag: Fischer Taschenbuch
Seitenanzahl: 512
Wo?: Amazon

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