Das Lied des Achill


Das Lied des Achill von Madeline Miller

Zusammenfassung:

Patroklos, ein in Ungnade gefallener Prinz im Knabenalter, wird ins Exil nach Phthia geschickt, wo er, als einer unter vielen, im Schatten des Königs Peleus und seines Sohnes Achill einsam und unbeachtet lebt, bis Achill sich eines Tages seiner annimmt. Die zaghafte Annäherung entwickelt sich bald zu einer unerschütterlichen Freundschaft. Seite an Seite wachsen Achill und Patroklos zu jungen Männern heran, und bald erblüht eine zarte Liebe zwischen ihnen.

Rezension:
Er ist kleiner als die anderen und noch mollig wie ein Kind. Seine langen Haare sind mit einem Lederriemen zusammengebunden und scheinen auf der dunklen Haut im Nacken zu brennen. Doch seine Miene ist entschlossen wie die eines Mannes.
Kaum hat der Priester das Startkommando gegeben, löst er sich aus der dichten Schar der älteren Jungen. Er läuft leichtfüssig, und seine Fersen schimmern rosig wie leckende Zungen. Er gewinnt.
Ich war schon immer von der griechischen Mythologie (oder, wenn wir schon dabei sind, eigentlich so ziemlich jeder Mythologie - aber mit der griechischen kenne ich mich wohl am besten aus, wenn auch bei weitem nicht so gut, wie ich es gerne hätte) fasziniert. Die Geschichte des Achill (oder Achilleas, ich persönlich bevorzuge ja Achilleas, gebe ich zu) ist mir bei weitem also keine fremde (auch nicht verschiedene Versionen davon durch diverse Erzählungen etc. - ähnlich wie bei der Arthus Sage). Und doch habe ich noch nie von Achill und Patroklos als gleichaltriges Liebespaar gehört (in your face Päderastie), was aber durchaus passend ist - ich fand schon immer, dass so innige Freundschaft, wie sie in Sagen/Legenden/Mythen/was-weiss-ich-was beschrieben wird sehr stark an eine Liebesbeziehung erinnert. In der Tat ist es nicht nur passend, sondern auch sehr interessant und spannend zu lesen. Ich habe es sehr genossen, die Entwicklung der beiden zu beobachten und glaube, dass Miller eine sehr "ehrliche" Darstellung gelungen ist. Soll heissen, dass die Beiden sich genug blumige Liebe/Respekt/Bewunderung entgegen bringen, dass es sich deutlich so anfühlt, als würde man eine typische mythologische Geschichte lesen (nein, das wird nicht nur durch die Sprache ausgelöst), aber gleichzeitig haben sie eben doch Probleme (nein, nicht nur mit ihrem Umfeld). Ausserdem, was ich sehr schön fand, fühlt sich ihre Beziehung, obwohl von ihrem Umfeld mit Verachtung gestraft, nie "falsch" oder so an. Es wirkt sehr natürlich, dass die beiden zusammen kommen sollten.

Nebenbei will ich noch erwähnen, dass es an verschiedenen Stellen wirkt, als hätte Miller sehr stark mit Lesern gerechnet, welche die Geschichte des Achill schon kennen. Das heisst, dass sie mit diesem Umstand auf "quälende" Art und Weise gespielt hat. Sie hat immer wieder Anspielungen auf das Ende eingebaut, welche dem Leser natürlich vor Augen führen, wie es unweigerlich ausgehen wird. Teilweise war das wirklich sehr fies - ich konnte mich nie zurücklehnen und entspannend, besonders, wenn alles gerade sehr glücklich wirkte, habe ich mich verkrampft. Das hat seine ganz eigene Art der Atmosphäre erzeugt. Eine scheinheilig schöne. Naja. Mir bleibt nur zu sagen: Well played, Madeline Miller, well played

Bewertung:

Wirklich, eine schöne Erzählung. 4/5 Sterne. (Disclaimer: Ich bin ein grosser Achill/Achilleas-Fan, also, naja, vielleicht bin ich nicht die objektivste Person überhaupt, aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich nicht einfach auf einer "OMG Achilleas"-Rampage bin, sondern die Geschichte, die Atmosphäre etc. auch tatsächlich für gut halte)

Details:

Name: Das Lied des Achill
Original: The Song of Achilles
Autor: Madeline Miller
Verlag: Bloomsbury Berlin
Seitenanzahl: 380
Wo?: Amazon

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